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Ein Brückenschlag der Solidarität und Erinnerung zwischen Venzone und Kärnten

Gerhard Schreilechner

Wertschätzende Anerkennung durch den UNESCO-Club Udine


Die besondere Atmosphäre war bereits in den ersten Augenblicken spürbar, als die
imposanten steinernen Gewölbe des Doms Sant’Andrea Apostolo in Venzone nach und nach
die eintreffenden Gäste empfingen. Der sakrale Raum war erfüllt von Geschichte und
Erinnerung. Das Betreten dieser Kirche, die vor fünfzig Jahren durch das Erdbeben in Schutt
und Asche gelegt und dank der Entschlossenheit der friulanischen Bevölkerung Stein für Stein
wieder aufgebaut wurde, bedeutete bereits, Geschichte zu atmen.


Die feierliche Singmesse um 11:00 Uhr durchbrach die Stille des Gedenkens und wurde zu
einem tief bewegenden spirituellen Erlebnis. Die Stimmen der österreichischen Projern
Gospel Singers, begleitet von Keyboard und Gitarre, erfüllten das ehrwürdige Bauwerk mit
außergewöhnlicher Ausdruckskraft. Die vorgetragenen Lieder, getragen von Hoffnung und
einer mitreißenden Spiritualität, berührten die Herzen aller Anwesenden und vereinten sie in
einer symbolischen Umarmung, die jede Grenze überwand. Es war weit mehr als eine
gewöhnliche Sonntagsmesse – vielmehr ein Gesang der Trauer und der Wiedergeburt, eine
bewegende Hommage an den 50. Jahrestag des Erdbebens, die den Schmerz der
Vergangenheit in eine feierliche Würdigung des Lebens und der wiedergefundenen
Brüderlichkeit verwandelte.


In diese Atmosphäre des gemeinsamen Erinnerns fügt sich in besonderer Weise die Lions-
Initiative „Un Pane per il Terremoto“ (Ein Brot für das Erdbeben) ein, die von den Clubs des
Distrikts 108TA2 ins Leben gerufen wurde und vom 6. Mai bis 30. September 2026 läuft. Ziel
des Projekts ist die Modernisierung der medizinischen Ausstattung des Krankenhauses von
Tolmezzo – einer unverzichtbaren Gesundheitseinrichtung für die gesamte Region Oberfriaul.
Gemeinsam mit den Bäckereien der Region werden Spenden über das eigens eingerichtete
Konto IBAN IT37 Q010 3012 3000 0000 1138 169 gesammelt. Der tägliche Kauf eines Brotes
wird so zu einer konkreten Geste der Solidarität – eine greifbare Möglichkeit, den 50.
Jahrestag des Erdbebens nicht nur durch Erinnern, sondern auch durch zukunftsorientiertes
Handeln für die Gemeinschaft zu würdigen. Zu diesem Anlass durfte der Lions Club Venzone
Via Julia Augusta mit großer Dankbarkeit eine bedeutende finanzielle Spende der Mitglieder
des Lions Club Mageregg Klagenfurtentgegennehmen.


Im Anschluss an den Gottesdienst verlagerte sich die Veranstaltung in das stilvolle Alma Living
Hotel in Venzone, das Eleganz und Gastfreundschaft auf harmonische Weise verbindet. Dort
entwickelte sich die Atmosphäre zu einem herzlichen Fest der grenzüberschreitenden
Freundschaft, das zahlreiche Gäste an einem Tisch vereinte. Unter den Anwesenden
befanden sich die Vertreter des Lions Club Mageregg Klagenfurt, die Gastgeber des Lions
Club Venzone Via Julia Augusta – die eigentlichen Initiatoren der Veranstaltung –, die
Sängerinnen und Sänger des Kärntner Gospelchors, die „Amici di Venzone“ sowie Vertreter
der örtlichen Behörden.


Dem Treffen verlieh zudem die hochrangige Anwesenheit der Präsidentin des UNESCO-Clubs
Udine, Frau Professor Renata Capria D’Aronco, begleitet von vier Clubmitgliedern, besondere
institutionelle und kulturelle Bedeutung. Ebenso unterstrich die Teilnahme von Gianfranco
Biondi als Vertreter des Honorarkonsuls der Republik Österreich in Triest den
internationalen Charakter der Veranstaltung, die ganz im Zeichen der Bewahrung des
historischen Gedächtnisses sowie der von der UNESCO und dem Lions-Gedanken geförderten
Werte des Friedens und der internationalen Zusammenarbeit stand.


Den Mittelpunkt des Nachmittags bildeten die bewegenden Grußworte der Vertreter der
Lions Clubs und der anwesenden Behörden, die konsequent zweisprachig – auf Italienisch und
Deutsch – gehalten wurden. Diese gelungene sprachliche Wechselwirkung verkörperte in
eindrucksvoller Weise den Geist der Europaregion und des Alpe-Adria-Raums. Mit großer
Dankbarkeit wurde dabei an die rasche Hilfe erinnert, die die Kärntner Bevölkerung Venzone
im Sommer 1976 mit den ersten vorgefertigten Wohnmodulen geleistet hatte. Den Abschluss
der offiziellen Ansprachen bildete der traditionelle Austausch von Gastgeschenken und Lions-
Wimpeln – sichtbare Zeichen einer Freundschaft, die auch fünfzig Jahre nach dem
tragischen „Orcolat“ unvermindert fortbesteht.


Den eigentlichen emotionalen und künstlerischen Höhepunkt des Treffens bildete jedoch ein
außergewöhnlicher, spontaner Programmpunkt. Auf Initiative des Verfassers dieses Beitrags
erklärten sich die Mitglieder des Gospelchors bereit, im Saal völlig ungeplant noch einige
Lieder vorzutragen. Diese intime und spontane Darbietung löste bei allen Anwesenden große
Begeisterung aus und wurde mit lang anhaltendem Applaus gewürdigt.


Das harmonische Zusammenspiel von Diplomatie, Kultur und menschlicher Herzlichkeit
machte diese Begegnung so lebendig und bereichernd, dass die Veranstaltung weit
über 16:00 Uhr hinaus andauerte. Erst danach verabschiedeten sich die Teilnehmer
voneinander und beendeten einen unvergesslichen Tag im Zeichen einer grenzenlosen
Solidarität.

Sebastiano Ribaudo (Ordentliches Mitglied des UNESCO-Clubs Udine)